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Restanten im Neubau verkaufen: Strategie ohne pauschalen Preisnachlass

Onur KaraboyaVon Onur KaraboyaAktualisiert 21.07.20267 Min. Lesezeit

Fast jedes Neubauprojekt kennt diese Phase: Der Großteil der Einheiten ist verkauft, die Vermarktung lief planmäßig — und dann bleiben die letzten Wohnungen stehen. Sie hängen im Vertrieb, verlängern die Projektlaufzeit und binden Kapital. Der naheliegende Reflex ist ein Preisnachlass über die verbliebenen Einheiten. Doch das ist selten die günstigste, sondern meist die teuerste Lösung. Dieser Beitrag zeigt, warum Restanten am schwersten gehen — und wie sie sich abverkaufen lassen, ohne die Marge pauschal aufzugeben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die letzten Einheiten gehen schwer, weil die ursprüngliche Zielgruppe abgeschöpft ist und die Aufmerksamkeit für das Projekt nachlässt.
  • Ein pauschaler Preisnachlass senkt die Marge auf jeder Einheit, sendet ein Signal an den Markt und ist nur schwer wieder umkehrbar.
  • Die wirtschaftlichere Alternative ist eine neue Zielgruppe und Ansprache — etwa Kapitalanleger statt nur Eigennutzer, über eine eigene Kampagne mit telefonischer Vorqualifizierung.

Warum die letzten Einheiten am schwersten gehen

Dass ausgerechnet die Restanten stehen bleiben, ist kein Zufall und selten ein Zeichen für einen schwachen Markt. Es ist eine strukturelle Folge des Vermarktungsverlaufs. Drei Ursachen wirken dabei zusammen.

Die ursprüngliche Zielgruppe ist abgeschöpft

Zu Vertriebsstart trifft ein neues Projekt auf einen aufgestauten Pool vorgemerkter und suchender Interessenten. Dieser Pool wird in den ersten Verkaufsphasen weitgehend abgeschöpft. Wer zur Kernzielgruppe passte und kaufbereit war, hat gekauft. Für die letzten Einheiten steht damit nicht mehr derselbe Nachfragedruck zur Verfügung — die naheliegenden Käufer sind bereits versorgt.

Die verbliebenen Grundrisse sind die schwierigeren

Käufer wählen in aller Regel zuerst die attraktivsten Einheiten: günstige Lage im Gebäude, gute Ausrichtung, stimmiger Grundriss. Was übrig bleibt, sind häufiger die erklärungsbedürftigen Zuschnitte — das Erdgeschoss mit Nordausrichtung, die sehr große oder sehr kleine Einheit, die Wohnung an der ungünstigeren Gebäudeseite. Diese Grundrisse sind nicht unverkäuflich, aber sie sprechen eine engere Käufergruppe an und brauchen eine gezieltere Ansprache.

Die Aufmerksamkeit für das Projekt lässt nach

Ein Projekt ist zum Vertriebsstart neu, sichtbar und im Gespräch. Nach Monaten am Markt ist genau dieser Neuigkeitswert aufgebraucht. Anzeigen laufen aus, das Projekt rutscht in Portalen nach hinten, der Vertrieb richtet die Energie auf die nächsten Vorhaben. Die Restanten geraten so nicht wegen ihres Preises ins Stocken, sondern weil niemand sie noch aktiv nach vorne bringt.

Warum ein pauschaler Preisnachlass die teuerste Lösung ist

Wenn die letzten Einheiten hängen, wirkt ein Preisnachlass wie der schnellste Hebel. Wirtschaftlich betrachtet ist er jedoch fast immer der teuerste — aus drei Gründen.

8,3 %

betrug Ende 2023 der durchschnittliche Abschlag zwischen Angebots- und tatsächlichem Transaktionspreis bei Eigentumswohnungen — gestiegen von rund 6 % (2019) auf einen Höchstwert von 8,75 % (Mai 2022). Der Markt drückt den Preis also ohnehin schon; ein zusätzlicher pauschaler Nachlass verschenkt Marge ein zweites Mal.

Quelle: ImmoScout24 / Sprengnetter, Angebots- vs. Transaktionspreise

Die Marge sinkt, nicht nur der Preis

Ein Nachlass wird nicht von der Kalkulation, sondern vom Gewinn abgezogen. Grundstück, Bau und Vertrieb sind bereits bezahlt; jeder Euro, den der Preis sinkt, fehlt unmittelbar in der Marge der jeweiligen Einheit. Gerade bei den Restanten, die ohnehin am Ende der Kalkulation stehen, trifft ein Nachlass den empfindlichsten Teil des Ergebnisses.

Die Signalwirkung reicht über die Restanten hinaus

Ein sichtbarer Preisnachlass ist eine Botschaft an den gesamten Markt: Bei diesem Projekt ist der Preis verhandelbar. Diese Botschaft erreicht auch bereits abgeschlossene Käufer, künftige Interessenten und Wettbewerber. Sie kann Bestandskäufer verunsichern, Verhandlungen bei anderen Vorhaben belasten und das wahrgenommene Wertniveau des gesamten Projekts nach unten ziehen. Der Nachlass gilt zwar nur den letzten Einheiten, seine Wirkung strahlt aber auf alles andere aus.

Ein einmal gesenkter Preis ist schwer umkehrbar

Preise lassen sich leicht senken und nur schwer wieder anheben. Ist ein reduziertes Niveau erst kommuniziert, wird es zur neuen Referenz — für Interessenten wie für den Vertrieb. Wer zu früh nachlässt, verschenkt Spielraum, den er später nicht zurückholt, selbst wenn sich die Nachfrage wieder belebt.

Ein Preisnachlass kostet auf jeder Einheit Marge und sendet ein Signal an den ganzen Markt. Eine veränderte Ansprache kostet Aufmerksamkeit — aber keinen Preis.

Die Alternative: neue Zielgruppe und Ansprache

Wenn die ursprüngliche Käufergruppe abgeschöpft ist, liegt die Lösung nicht im Preis, sondern in einer neuen Nachfrage. Statt dieselbe Zielgruppe mit einem günstigeren Angebot ein weiteres Mal anzusprechen, werden die Restanten für eine andere Zielgruppe neu positioniert.

Restanten neu positionieren

Genau die Eigenschaften, die einen Grundriss für Eigennutzer erklärungsbedürftig machen, können für eine andere Käufergruppe vorteilhaft sein. Eine kompakte Erdgeschosswohnung, die sich als Familienwohnung schwer verkauft, kann als vermietbare Kapitalanlage überzeugen. Der Blick auf die verbliebenen Einheiten verschiebt sich damit von einem Restposten hin zu einem Angebot mit klarem Nutzen für eine neue Zielgruppe. Wie sich freie Einheiten am Projektende gezielt abverkaufen lassen, zeigt der Überblick zum gezielten Verkauf freier Einheiten.

Kapitalanleger statt nur Eigennutzer ansprechen

Der naheliegendste neue Adressat für Restanten ist der Kapitalanleger. Er bewertet eine Wohnung nach anderen Kriterien als der Eigennutzer: Vermietbarkeit, Mietrendite und Lage im Markt zählen mehr als der persönliche Wohngeschmack. Dadurch werden Grundrisse interessant, die Eigennutzer aussortiert haben. Worin sich beide Gruppen in Erwartung und Entscheidung unterscheiden, erläutert der Beitrag Eigennutzer vs. Kapitalanleger. Wie sich Kapitalanleger gezielt als Käufer gewinnen lassen, behandelt die Seite zum gezielten Gewinnen von Kapitalanlegern.

Eine eigene Kampagne statt Restplatzierung

Eine neue Zielgruppe erreicht man nicht, indem die alte Anzeige länger online bleibt. Restanten brauchen eine eigene Ansprache: eine Kampagne, die den Nutzen der verbliebenen Einheiten für Kapitalanleger in den Vordergrund stellt, statt sie als Rest eines auslaufenden Projekts zu zeigen. So entsteht neue Aufmerksamkeit für genau die Einheiten, die sonst im Hintergrund verschwinden.

Telefonische Vorqualifizierung schützt die Vertriebszeit

Eine neue Zielgruppe bringt auch neue Anfragen, die zunächst gemischter Qualität sind. Damit der Vertrieb seine Zeit auf die letzten Einheiten konzentrieren kann, werden Interessenten vorab telefonisch vorqualifiziert: Kaufabsicht, Budgetrahmen und Finanzierungsperspektive werden geklärt, bevor ein Kontakt in ein Verkaufsgespräch übergeht. So erreicht den Vertrieb ein schmalerer, aber ernsthafterer Strom an Interessenten — ohne dass der Preis als Filter herhalten muss.

Preis senken oder Ansprache verändern — der direkte Vergleich

Beide Wege führen dazu, dass die Restanten in Bewegung kommen. Der wirtschaftliche Unterschied liegt darin, was sie kosten und welche Nebenwirkungen sie haben.

KriteriumPauschaler PreisnachlassNeue Zielgruppe und Ansprache
Wirkung auf die MargeSinkt unmittelbar auf jeder betroffenen EinheitBleibt erhalten; Aufwand liegt in Kampagne und Ansprache
Signal an den MarktPreis ist verhandelbar; wirkt auf das ganze ProjektNeues Angebot für eine neue Zielgruppe
UmkehrbarkeitSchwer; das gesenkte Niveau wird zur ReferenzFlexibel; Ansprache lässt sich anpassen
Wirkung auf BestandskäuferKann verunsichern, wenn sie mehr bezahlt habenBleibt unberührt
ZeithorizontSchnell, aber mit dauerhaftem MargenverlustBraucht Vorlauf, erhält aber das Wertniveau

Häufige Fragen

Ist ein Preisnachlass bei Restanten immer falsch?

Nein. Es gibt Situationen, in denen ein gezielter, begründeter Preisnachlass sinnvoll ist — etwa bei einer objektiv schlechter ausgestatteten Einheit. Der Punkt ist ein anderer: Ein pauschaler Nachlass über alle Restanten ist selten die günstigste Lösung, weil er Marge kostet, ein Marktsignal sendet und schwer umkehrbar ist. Vor dem Preis lohnt der Blick auf Zielgruppe und Ansprache.

Warum sind Kapitalanleger für Restanten oft die bessere Zielgruppe?

Weil sie andere Kriterien anlegen. Ein Kapitalanleger bewertet eine Wohnung nach Vermietbarkeit und Rendite, nicht nach persönlichem Wohngeschmack. Dadurch werden Grundrisse interessant, die Eigennutzer aussortiert haben — genau jene, die als Restanten übrig bleiben.

Wie lassen sich Restanten verkaufen, ohne den Preis anzufassen?

Über eine neue Zielgruppe, eine eigene Kampagne und eine telefonische Vorqualifizierung. Die verbliebenen Einheiten werden für Käufer positioniert, die sie nach anderen Kriterien bewerten, und der Vertrieb erhält vorgeprüfte Anfragen statt breit gestreuter Rohkontakte.

Fazit

Restanten bleiben nicht stehen, weil sie zu teuer sind, sondern weil die ursprüngliche Zielgruppe abgeschöpft, die Grundrisse anspruchsvoller und die Aufmerksamkeit verbraucht ist. Ein pauschaler Preisnachlass löst das Symptom und schafft neue Probleme: weniger Marge, ein Marktsignal und ein Preisniveau, das sich kaum zurücknehmen lässt. Der wirtschaftlichere Weg führt über eine neue Zielgruppe und Ansprache — häufig Kapitalanleger statt nur Eigennutzer, angesprochen über eine eigene Kampagne mit telefonischer Vorqualifizierung. So kommen die letzten Einheiten in Bewegung, ohne dass der Preis zum Filter wird.

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Onur Karaboya

Über den Autor

Onur Karaboya

Vertrieb & Geschäftsführung · Unbox Eleven GmbH

Onur Karaboya ist Geschäftsführer der Unbox Eleven GmbH, unter der Notartermin.net betrieben wird. Der gelernte Bankkaufmann ist auf Vertrieb und Marketing spezialisiert und verantwortet den Sales-Bereich: geschulte Vertriebsteams, die geprüfte Käuferanfragen telefonisch begleiten und in Abschlüsse überführen.

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